Die Chronik des YCP
Ein österreichischer Yachtclub stellt sich vor
Die Anfänge des YCP

Im Jahre 1962 schlossen sich sieben begeisterte Segler von der „Alten Donau“ zusammen, um ihr Segelrevier auf den Neusiedlersee auszudehnen. Podersdorf mit den besten Bedingungen schien als Standort ideal, und schon 1965 wurde von der Gemeinde Podersdorf ein Clubgelände gepachtet.
Die 1970er- und 1980er-Jahre
1974, der Club war in eine Wachstumsphase geraten, erfolgte unter dem Druck der Ereignisse der Umzug in ein neues Gelände, wo ein sorgfältig geplantes Clubprojekt mit Hafen, Seglerunterkünften und Clubhaus realisiert werden sollte. Mit der Eröffnung des nicht nur seglerischen Bedürfnissen, sondern allen Erfordernissen des Natur- und Umweltschutzes gerecht werdenden Clubhauses im Jahre 1979 konnte die Bauphase, welche ohne fremde Zuschüsse nur über eigene Initiative bewerkstelligt wurde, zur Freude aller Clubmitglieder, abgeschlossen werden.

Die für Österreich einzigartige Anlage ist auf einer Landfläche von 7.245 m² und einer Wasserfläche von 5.000 m² errichtet worden. Der Hafen kann rund 120 Kreuzer und über 30 Jollen aufnehmen. 34 Seglerunterkünfte, sogenannte Kabanen, stehen den Clubmitgliedern zur Verfügung. Das pyramidenförmige Clubhaus, als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, mit eigener Kantine, erfüllt alle Wünsche der Mitglieder und ihrer Gäste.

Geplant wurde die Anlage vom ortsansässigen Architekt Dipl. Ing. Eberstaller, selbst Mitglied im YCP, der diese harmonisch in die Landschaft integrierte, sodass sie aus einiger Entfernung eins wird mit dem unverwechselbaren Panorama des Nationalparks Neusiedlersee.

Die 1990er-Jahre

In den 1990er Jahren entwickelte sich der YCP zu einem „Hochsee“-Yachtclub. Das Blue Water Race – eine Fahrtensegelregatta – wurde ins Leben gerufen und anfangs in Griechenland, Italien dann der Türkei und schlussendlich in Kroatien ausgetragen. Zu Hochzeiten bemannte der YCP 15 Charterschiffe und ähnlich viele Tavernen.

Aus dieser Leidenschaft entstanden auch die Projekte der Brüder Rauhofer. Zuerst auf einer Swan 53, später auf einer Sydney 46 genannt ¡más! – der spanische Ausdruck für mehr! – nahm man an etlichen internationalen Regatten im Mittelmeer teil.
Die Jugendarbeit – eine Investition in die Zukunft

Ab Beginn des neuen Jahrtausends entwickelte sich der Club wiederrum in eine ganz neue zukunftsorientierte Richtung. Der Nachwuchs hatte in den vorangegangenen Jahren stetig zugenommen und diese Kinder waren jetzt im besten Beginner-Alter. Vor allem unter der Leitung von Alexander Kohlendorfer als Jugendwart schafften es einige YCP-Segler in die erweiterte internationale Spitze. Etliche Österreichische Meister- und Staatsmeistertitel und sogar eine Vizeweltmeisterin im Zoom8 sind die zählbaren Erfolge dieser Arbeit. Valentina Faihs, Alexander Kohlendorfer jun. und Bernie Haan sind nur einige der erfolgreichen SeglerInnen aus dieser Generation. Allen voran Angelika Kohlendorfer, die es sowohl im Opti als auch im 420er an die absolute Spitze schaffte und seit Anfang 2017 ihre erste olympische Kampagne im 49er FX für Tokio 2020 segelt.

2013 trug der Yachtclub Podersdorf erstmals in seiner Geschichte eine Österreichische Jugendmeisterschaft aus.
Modernisierung, Erweiterung und ein Brand
2008/09 erfolgte eine Komplettrenovierung des Erdgeschosses im Clubhaus. Nach 30 Jahren wurden Sanitärbereiche, Boden, Eingangsbereich, Segler-Garderoben, Regattaleitung und der Stiegenaufgang komplett erneuert und modernisiert. Im Vorfeld der Jugendmeisterschaft 2013 folgten das Jollenplateau und etliche Stege.



Im Herbst 2016 wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen. Ein Brand, ausgelöst durch ein defektes Kabel, verwüstete die Bar des Clubhauses. Dass es nicht zu einem totalen Feuerinferno kam, ist dem schnellen Eingreifen unseres Mitglieds, Roland Axmann, der sich eher zufällig im Club aufgehalten hatte (es war unter der Woche) und der Freiwilligen Feuerwehr Podersdorf zu verdanken. Die notwendige Sanierung führte zum dritten Teil der Renovierungsarbeiten. Der Barbereich, samt Küche und Boden im ganzen Stockwerk wurden erneuert.



Ende 2017 konnte mit der Gemeinde Podersdorf Einigung über die Erweiterung des Clubareals erzielt werden. Ein Fläche von zusätzlich rund 2.500 m² im Norden und der Uferstreifen östlich des Hafens stehen dem YCP ab 2018 zur Verfügung.




Regelmäßige Teilnahmen an der Segelbundesliga
2018 qualifizierte sich der YCP erstmals für die Segelbundesliga. Seit dieser Zeit ist Podersdorf fixer Bestandteil in der SBL.

Ein Virus und die Trockenheit – die schwierigen frühen 20er Jahre

Im März 2020 war nichts mehr so wie es früher war. Ein Virus namens COVID-19 legte die gesamte Welt für gut zwei Jahre lahm. Alltägliche Dinge wurden unmöglich oder eingeschränkt und Maskentragen zur Pflicht. Auch im YCP änderte das einiges. Notfallskonzepte wurden ausgearbeitet, Regatten waren gar nicht oder nur eingeschränkt möglich, das Clubgelände und das Clubhaus wurden zeitweise behördlich gesperrt. Erst ab 2023 normalisierte sich das Leben wieder.
Über mehrere Jahre anhaltende Trockenheit führte 2023 zum niedrigsten Wasserstand des Neusiedler Sees seit Beginn der Aufzeichnungen 1965 (im linken Bild die Ruster Bucht nach starkem Wind 2023). Nach den Corona-Einschränkungen, machte nun der Klimawandel das Clubleben schwierig. Einige Mitglieder verließen den YCP und den Segelsport, der harte Kern aber überbrückte die Zeit mit alternativen Hobbies: Radfahren liegt seit dieser Zeit voll im Trend.


2024 – die erste Olympische Goldmedaille und zwei Weltmeisterinnen

Valentin Bontus – ein Name der für immer in die Analen das YCP eingehen wird. Im August holte der Formular-Kite-Surfer überraschend Gold bei den Olympischen Spielen. schon bei der Weltmeisterschaft kitete Valentin auf den 3. Platz und qualifizierte sich eindrucksvoll für die Spiele. Doch die Leistung die er dort ablieferte, trauten ihm die wenigsten zu. Im Finale ließ er der Konkurrenz rund um den haushohen Favoriten Max Maeder aus Singapur keine Chance und gewann alle Finalläufe. Selbstredend, dass er für diese Leistung die Ehrenmitgliedschaft und einen Stern am “Platz der Sieger” in Podersdorf erhielt.

Fast zeitgleich mit Valtentin durfte der YCP nochmals über einen großen sportlichen Erfolg jubeln. Angelika Kohlendorfer holte gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Calvin Claus an der Vorschot den Weltmeistertitel in der (ehemals olympischen) Tornado-Klasse. Kleines Detail am Rande: Normalerweise segelt man Tornado zu zweit, doch die beiden waren eigentlich zu dritt. Angelika war im fünften Monat schwanger. Die Tochter also eine geborene Weltmeisterin.
Das Segelrevier
Der Neusiedlersee liegt am Rande der kleinen ungarischen Tiefebene. Der Steppensee erwärmt sich dank des milden pannonischen Klimas und der durchschnittlichen Wassertiefe von nur 1,5 m sehr rasch. Er ist auf Grund seiner günstigen Windverhältnisse, vorherrschend NW und S, bei Seglern und Surfern sehr geschätzt. Der See lädt von den ersten Frühlingstagen bis in den Spätherbst zum Segeln ein.

Die Umgebung von Podersdorf wird durch die außerordentlich reizvolle Landschaft des Seewinkels mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt geprägt.

